Auswirkungen des Corona-Virus auf die Photovoltaik-Entwicklung in Deutschland

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Viel wird davon abhängen, wie lange die Produktionen wegen des Erregers in China geschlossen sein werden. Erste Verzögerungen bei Modul- oder Komponentenlieferungen gibt es bereits, was kurzfristig ein Anziehen der Preise nach sich ziehen könnte. Doch noch scheint es zu früh, das komplette Ausmaß abschätzen zu können.

In China stehen die Bänder vieler großer und kleiner Photovoltaik-Hersteller auch nach dem Chinesischen Neujahrsfest weiter still. Der Grund ist das im Land grassierende Corona-Virus. Viele Firmen haben ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Die Analysten von Roth Capital berichten, dass in acht Provinzen des Landes der Produktionsstopp wegen des Corona-Virus bis zum 9. Februar verlängert wurde. Darunter befinden sich auch die Provinzen, in denen unter anderem Longi, Trina Solar, Hanwha Q-Cells, JA Solar und Jinko Solar ihre Gigawatt-Produktionen betreiben. „Es scheint, dass die Preise für das Photovoltaik-Ökosystem, einschließlich der Module, in naher Zukunft steigen könnten, da die Industrie beginnt, einen Mangel an Wafern und möglicherweise auch an Glas zu verspüren“, schreiben die Analysten von Roth Capital in ihrem Marktbericht von Ende Januar.

Auch in Deutschland haben die ersten Projektierer von Photovoltaik-Anlagen die Nachricht von Modulherstellern aus China erhalten, dass es zu Verzögerung bei Lieferungen von Modulen für Projekte kommt, wie sie pv magazine bestätigen. Zudem ist von deutschen Photovoltaik-Herstellern zu hören, dass sie auf Komponenten aus China warten, um ihre Module in Deutschland produzieren zu können. Dies dürfte vor allem Solarzellen und Solarglas betreffen, die nur zu geringen Mengen außerhalb Chinas hergestellt werden.

„Natürlich spürt Solarwatt als international agierendes Unternehmen die Auswirkungen der Ausbreitung des Corona-Virus auf die Warenströme. Die Herstellung unserer Stromspeicher ist nicht betroffen, aber wir beziehen einige Rohmaterialien und Zubehörteile für unsere Photovoltaik-Module aus dem chinesischen Markt“, erklärt Geschäftsführer Detlef Neuhaus auf Anfrage von pv magazine. „Allerdings haben wir auch viele deutsche und europäische Lieferanten, daher hat das auf unsere Modulproduktion zurzeit keinen großen Einfluss. Durch unsere eigene Produktion am Dresdner Standort können wir bei Engpässen auf diverse Zulieferer zurückgreifen. Wir wissen aber, dass andere Photovoltaik-Anbieter in ihrer Wertschöpfung stark von China abhängig sind“, so Neuhaus weiter. Die Fertigung in Deutschland laufe aufgrund der hohen Nachfrage nach privaten Photovoltaik-Dachanlagen aktuell auf Hochtouren. „Wir sind derzeit voll lieferfähig.“ Solarwatt werde alles unternehmen, dass es auch so bleibe, sagte Neuhaus weiter.

Jenny Chase, Head of Solar Analysis bei Bloomberg New Energy Finance (NEF), erklärt auf Anfrage von pv magazine, dass sie derzeit nicht davon ausgehe, dass sich die Verzögerungen durch die Werksschließungen oder geringeren Produktionsmengen in China im Gigawatt-Maßstab auf die Photovoltaik-Märkte in Europa niederschlagen werden. Sie erwartet, dass die meisten Projektierer vielleicht eine Verzögerung um einige Monate hinnehmen müssten. Die Realisierung der Photovoltaik-Anlagen an sich sieht die Analystin nicht grundsätzlich durch das Corona-Virus gefährdet.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). „Aus unserer Sicht ist es zu früh, um genaue Aussage zu treffen, da unklar ist, wie sich das Virus weiter verbreitet und welche Maßnahmen sowohl von der Regierung der Volksrepublik China – aber auch in anderen Ländern noch vorgenommen werden“, sagt er. Die Produktionsketten der Photovoltaik- und Speicherwirtschaft seien global. Zwar stammten viele Produkte oder Komponenten aus China, doch andererseits verbauten auch viele Hersteller weltweit deutsche Komponenten, etwa Silizium oder Maschinen für ihre Fabriken aus Deutschland, sagt Körnig weiter. Nach Einschätzung des BSW-Solar stammen aktuell mehr als 60 Prozent der weltweit verbauten Solarmodule aus China.

„In Bezug auf den deutschen Markt ist Ware, die bereits auf dem Weg nach Deutschland ist – auf dem Seeweg – nicht betroffen, daher rechnen wir in den nächsten vier bis sechs Wochen mit keinem größeren Angebotsmangel“, sagt Körnig weiter. „Wir hören von unseren Mitgliedern, dass einige Firmen in China wegen des chinesischen Neujahrsfestes am 25. Januar ihre Fabriken mit reduzierter Kapazität gefahren haben. Diese hätten jetzt teils Schwierigkeiten, die Produktion wieder aufzunehmen, da viele Beschäftigte aufgrund des Reiseverbots nicht zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehren können.“ Daraus könne folgen, dass die Produktion vieler Hersteler in China in den kommenden Wochen nicht planmäßig laufen werde. Die Folge könnten verzögerte Lieferungen führen. „Das gilt allerdings nur bedingt für die in Deutschland, Europa und auf anderen Kontinenten arbeitenden Solarfabriken. Sie sind nur teilweise aufgrund weltweiter Lieferketten auf Vorprodukte aus China angewiesen und könnten zumindest mittelfristig ihre Kapazitäten erhöhen“, so Körnig. Auch er hält es für möglich, dass sich eine vorübergehende Modulknappheit in den Preisen widerspiegeln wird.

Die Experten des Prüflabors Clean Energy Associates (CEA) erklärten pv magazine, dass sie gehört haben, dass die Modulfabriken in China selbst nicht betroffen seien. Dies hatten auch die Hersteller gegenüber den Analysten von Roth Capital angegeben. Allerdings sei die Versorgungskette mit Rohmaterialien unterbrochen, berichtet George Touloupas von CEA weiter. Als Folge sei mit einer Materialknappheit und Produktionskürzungen zu rechnen. Allerdings sei nicht absehbar, wie stark die Auswirkungen seien und wie lange sie anhalten werden. Die Lage ändere sich derzeit sehr rasch.

Auch gegenüber pv magazine wollten die großen Photovoltaik-Hersteller aus China bislang keine Details zu ihren aktuellen Produktionsraten nennen. Einige wenige, die jedoch anonym bleiben wollten, bestätigten, dass die Produktion derzeit gering sei und sie nicht davon ausgingen, dass sich die Situation kurzfristig normalisieren werde. Viele lokale Regierungen haben die Produktionsstopps für die Fabriken bereits bis zum 10. Februar verlängert, wobei eine weitere Ausdehnung bis zum 17. Februar als wahrscheinlich gilt. Darüber hinaus gibt es vielerorts in China Bestimmungen lokaler Behörden, die Menschen zu einer 14-tägigen Selbstisolierung verpflichten, die aus mit dem Corona-Virus infizierten Gebieten gereist kommen.

Der chinesische Photovoltaik-Verband CPIA hat die Regierung bereits aufgefordert, die geforderten Anschlusstermine für Photovoltaik-Projekte für den 31. März und 30. Juni wegen der Gesamtsituation im Land zu verschieben. Nach Einschätzung des Verbands wird die Produktion wegen der eingeschränkten Transportmöglichkeiten im ersten Quartal signifikant sinken. Bei CPIA geht man davon aus, dass das Virus im zweiten Quartal bekämpft sein wird.  Dann werde sich auch die Produktion schnell wieder erholen. Dies werde voraussichtlich im dritten Quartal der Fall sein. Bis dahin könnten den Unternehmen jedoch viele Aufträge wegen der eingeschränkten Reisefreiheit auch verloren gehen und auch Module für die geplante Projekte oder Komponenten für die Modulproduktion außerhalb Chinas fehlen.

Anmerkung der Redaktion: Das Statement von Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus ist am 5.2. nachträglich im Artikel ergänzt worden.

  | Quelle: pv magazine group GmbH & Co. KG | pv-magazine.de
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ANMERKUNG UNSERERSEITS:
Mit Blick auf die Entwicklungen in Asien hinsichtlich des sich ausbreitenden Corona-Virus haben wir entsprechend reagiert und ausreichend Module in unserem Bestand um die Installation neuer Photovoltaikanlagen weiterhin gewährleisten zu können.

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